Leben oder nicht
Freitag, den 23. Juli 2010 um 10:31 Uhr

Ei und Samen

Bin gerade auf einen Artikel in dem Tagesspiegel gestoßen, de meiner Meinung nach, die Meinung vieler Deutschen repräsentiert. Beginnen tut der Artikel mit der folgenden Aussage:

Der katholische Glaube, dass das Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samen beginnt, ist reichlich exotisch.

Ich mag es verstehen, Biologie ist reichlich exotisch. Denn es hat so komplizierte Begriffe wie Samen und Spermium, oder Ei und Eizelle, die keineswegs das Gleiche sind. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass die katholische Kirche behauptet, dass durch die Verschmelzung von einem beliebten Nahrungsmittel mit Pflanzenembryonen Menschen entstehen. Na gut, ersetzen wir mal Samen mit Spermium, und Ei mit Eizelle.

Glaube

Auch interessant finde ich es, wie sie das Wort Glaube verwenden. Als wäre das, was man glaubt immer unwahr. Etwas von dem man ganz genau weiß dass es falsch ist, aber dennoch glaubt. Viele Menschen sehen das auch genauso, wie auch in den Kommentaren zu sehen, und ich finde das ist ein Problem. Aber Glaube bedeutet etwas für wahr halten, und nicht dass es unwahr ist.
Auch ist Glaube u.a. eine Grundlage der Wissenschaften: Man hat eine Aussage, an die man glaubt, die man für wahr hält, man nennt es auch Hypothese, und dann versucht man diese Aussage wissenschaftlich zu untermauern. Aber es fängt mit dem Glauben an, denn wenn man es wüsste, dass es wahr ist, wäre es keine Hypothese. Und im übrigen tut man glauben jeden Tag, was in den Nachrichten gesagt wurde (mehr oder weniger), was Vertraute und Bekannte einem erzählen, ja die ganze intermenschliche Kommunikation basiert auf Glauben, sonst würde man nicht aus dem Fakten überprüfen herauskommen. Natürlich glaubt man nicht jedem, oder man weiß dass etwas falsch ist.

Leben

Nun was ist Leben? Leben ist eine Eigenschaft, die Lebenwesen von unbelebter Materie unterscheidet. Deswegen finde ich die Behauptung eine Zygote sei unbelebte Materie reichlich exotisch, sogar als falsifiziert. Biologisch gesehen ist die Aussage dass neues Leben beginnt wenn Eizelle mit eine Spermium verschmilzt, völlig korrekt. Die Zygote hat dann alle Merkmale eines Lebewesens, aber eine Eizelle oder ein Spermium können sich z.B nicht weiter vermehren, sie haben diese Möglichkeit erst wenn sie verschmelzen.

Was sind die Konsequenzen dieser Überzeugung? Eine kleine absurde am Rande: Wenn der Mensch vollwertiger Mensch ist mit der Verschmelzung von Same und Ei, ist er ungefähr neun Monate älter, als in seinem Pass steht. Er dürfte also neun Monate früher seinen Führerschein machen und sich neun Monate früher pensionieren lassen.

Im Pass steht das Geburtsdatum, und das ändert sich nicht, auch wenn man sagt, dass der Mensch erst am X-ten Datum vollwertig ist. Man feiert einen Geburtstag, und keinen EndlichVollwertigerMenschTag.

Mensch

Nun wann ist ein Lebewesen ein Mensch? Mann Menschen von anderen Lebenwesen abgrenzen, indem man Eigenschaften findet die alle Menschen haben. Man könnte über den Körperbau gehen, und dann haben die Merkmale eines Menschen. Nur gelten sie nur für erwachsene Menschen, und nicht solche die sich noch in der Reife befinden. Sind dann diese keine Menschen? Deshalb müssen wir die Definition erweitern: Menschen sind Lebewesen, die wenn sie erwachsen sind, die Merkmale eines Menschen haben.

Dies ist meiner Meinung nach die einzige verwendbare Definition, auch wenn sie noch unvollständig ist, und die Merkmale fehlen, doch das ist nicht das Thema von diesem Post. Diese Definition schließt auch die geistlich behinderten Menschen ein, denn diese sind zweifellos menschlich, doch ihre geistlichen Fähigkeiten unterscheiden sich im erheblichem Maße von normalen Menschen.

Nun ist aber die Schlussfolgerung, dass auch eine menschliche Zygote ein Mensch ist. Mensch sein beginnt mit Lebend sein.

So ist eine Zygote aus der niemals ein Mensch werden kann, z.B aufgrund von nicht menschlicher DNA, kein Mensch. Diese Schlussfolgerung ist keineswegs moralisch begründet, sondern wissenschaftlich. Menschen denen diese Begründung moralisch nicht passt, argumentieren mit Moral.

Moral

Die Argumentation pro Abtreibung ist also rein moralisch. Ich meine hier auch ausdrücklich nicht die Abtreibung aus gesundheitlichen Gründen. Die Frage ist also nicht wann ist der Mensch ein Mensch, sondern ab wann gestehen wir ihm Menschenrechte zu.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die ganze Argumentation des Artikel sich darum dreht dass, wie absurd es seie, der Geburtstag anders wäre , und man dann Sachen nicht manchen dürfte, die man jetzt machen darf.

Adäquater scheint das Konzept einer gestaffelten Schutzwürdigkeit des Menschen zu sein. Es ist wirklichkeitsnäher, weil sich unsere moralischen Empfindungen darin besser widerspiegeln. Dem zufolge ist sind PID und embryonale Stammzellen-Forschung weniger verwerflich als die Abtreibung eines zweimonatigen Embryos, und diese wiederum ist weniger verwerflich als die Tötung eines zweijährigen Kindes.

Widerspricht das nicht dem Gleichheitsprinzip, oder gilt das auch nicht für alle? Weiter gedacht wäre ein zweijähriges Kind zu töten weniger verwerflich als ein dreijähriges, einen Obdachlosen weniger als einen Politiker. Das ist einfach unmenschlich.

Gott hat dem Menschen Werte gesetzt (vielleicht war es auch eine andere gütige Macht). Er hat ihm aber auch Verstand gegeben, um diesen Werten nicht blindlings zu folgen, sondern im Lichte der vorhersehbaren Konsequenzen.

Wenn man den moralischen Werten nicht folgen muss, was für einen Sinn macht es dann diese Werte zu haben? Zu sagen, dass man Werte hat? Dass man moralisch ist? Aber wenn es dann darauf ankommt, unmoralisch zu handeln? Ein passendes Wort wäre Doppelmoral.

Wenn es Regel gibt, aber eine Regel besagt, dass man nach seinem Ermessen die Regel befolgen kann oder auch nicht, dann haben diese Regel keinen Sinn.

Wenn aber ein Fötus den absoluten Schutz des menschlichen Lebens genießt, müsste man Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, Alkohol trinken oder gar Drogen konsumieren, wegen vorsätzlicher Körperverletzung belangen können.

Was spricht dagegen? Nicht rauchen dürfen? Wenn die Menschenrechte auch für den Fetus in der Gebärmutter gelten würden, wäre dies eben eine Körperverletzung, ob vorsätzlich oder nicht, wäre im Einzelfall zu entscheiden. Nun ist es in den Menschenrechten nicht gesagt was ein Mensch ist.

Ich mag zwar ein bisschen die Leute verstehen, welche denken: Die ein paar Zellen sollen ein Mensch sein? Wenn ich die sterben lasse, ist es doch nicht das Gleiche wie wenn ich meinen Nachbarn töte.
Doch er ist eben rational gesehen ein Mensch, und das Problem ist im Grunde ihm Menschenrechte zu geben.

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